Sonnenblumenöl

Sonnenblumenöl

1. Stammpflanze

    Helianthus annuus L. (Asteraceae), Sonnenblumen

2. Vorkommen

Ursprünglich kommt die Sonnenblume aus Nordamerika und wurde dort schon vor drei bis vier Jahrtausenden zur Ölgewinnung genutzt. Von den Indianern wurde sie weit vor der Entdeckung der „neuen Welt“ angebuat. Man nimmt an dass sie mit den spanischen Ent-deckern nach Europa kam, um sich dann über Italien, Deutschland und Frankreich zu verbreiten. Heute hat sie sich zu einer der wichtigsten Ölpflanzen Russlands und der Ukraine entwickelt und wird ausserdem in Nord-, Südamerika und Europa angebaut. Als Ölpflanze liegt die Sonnenblumen an dritter Stelle hinter der Sojabohne und der Ölpalme.

 

3. Beschreibung

Die Sonnenblumen istd eine 1.5 bis 2.5 m hoch werdende Pflanze mit einem kräftigen, verzweigten , beblätterten, wenig rauhaarigen Stängel. Die Sonnenblume ist ein Muster-beispiel Phototropismus. Darunter versteht man die Krümmungsreaktionen, die auf Wach-stum beruhen und durch Licht verursacht werden. . Ihre Blätter sind herzförmig, wachsen gegen- bis wechselständig, sind ober- und unterseits kurz rauhaarig, lang gestielt, und am Rande stark gezähnt. Die Blütenköpfe der Sonnenblume sind sehr gross (10 bis 40 cm breit). Ihre Zungenblüten sind 5 bis 10 cm lang und gelb bis orange gefärbt. Die Röhren-blüten dagegen sind sehr zahlreich, bräunlich gefärbt und werden von vielen Insekten besucht. Die Früchte der Sonnenblume, aus denen das Öl gewonnen wird, sind 0.8 bis 1.7 cm lang und 0.4 bis 0.9 cm breit. Nach dem Verblühen enthält der Blütenkorb oft bis 2000 zu Samenkerne. Ihre Farbe ist variabel von schwarz bis weisslich und schwar-weiss längsgestreift. Die Schale der Sonnenblumenkerne ist lederartig-holzig und leicht vom Samen trennbar. Grösse und Gewicht der Sonnenblumenkernsamen können stark variiren.

 

Ausser fettem Öl (40 bis 50 %) sind in den Früchten Eiweiss (ca. 24 %), Saccharose, Cholin, Beatin und Gerbstoffe enthalten. Bei Befall der Kerne durch Schimmpilze kann dazu das Mykotoxin Rubratoxin B gebildet werden.

 

4. Anbau

Die Entwicklung der Pflanze ist temperaturabhängig. In den typischen Anbaugebieten sind die Sommer kurz und heiss, Saattiefe und Saatweite sind je nach Sorte verschieden. Kleinsamige Sorten werden ca. 3 cm tief gesät, mit einem Reihenabstand von 30 bis 45 cm und einem Abstand in der Reihe von 15 bis 20 cm. Grosswüchsige Sorten sind weiter zu pflanzen.

 

5. Ölgewinnung

Die Gewinnung des Öls erfolgt durch Mahlen und anschliessendes kaltes oder warmes Auspressen der reifen, geschälten Samen. Es kann auch durch Extraktion oder durch überkritische Fluidextraktion mit überkritischem CO2 gewonnen werden. Das so gewonnene Öl wird dann oft raffiniert.

6. Charakter

Farbe: kaltgepresstes Sonnenblumenöl ist hellgelb, warm gepresstes hat eine rote Farbe, die         leicht entfärbt werden kann, extrahiertes und raffiniertes Öl ist klar und hellgelb

Geruch: aromatisch fettig, nussig, Röstnote, holzig, Grünnote. Sowohl kalt-, als auch warmgepresstes und extrahiertes Öl sind fast geruchslos.

                                  

Fettsäurezusammensetzung

                                                                               in %                                       

Myristinsäure                                                 0.1 - 05                                

Palmitinsäure                                                     5 - 8                                 

Palmitoleinsäure                                        0.1 – 0.3                                 

Stearinsäure                                                       2 - 7                                 

Ölsäure                                                           13 - 14                                

Linolsäure                                                      48 - 74                                

Linolensäure                                               0.1 - 0.3                                 

Arachinsäure                                              0.2 – 0.5         

Eicosansäure                                             0.2 – 0.5

Behensäure                                               0.4 – 1.3

Lignocerinsäure                                        0.2 – 0.4                     

 

Physikalische Kennzahlen

 

Brechungsindex: n25/D               1.472 – 1.476

                              n40                       1.467 - 1469

Dichte: d 15/15                              0.922 – 0.926

                20                                     0.918 – 0.923

Verseifungszahl:                                   186 - 194

Iodzahl:                                                 118 - -145

Unverseibares:                                           0 - 1.5 %

Schmelzpunkt:                                       - 16 - -18 ° C

 

7. Verwendung

 

In der Pharmazie und Medizin

In der pharmazeutischen Industrie wird Sonnenblumenöl als indifferentes Füllmaterial für Weichgelatinekapseln sowie zur Herstellung von Salben und Cremes und zur Substitution von Oliven- und Erdnussöl in pharmazeutischen Zubereitungen verwendet.

 

In der Küche

Kaltgepresstes Sonnenblumenöl ist ein ausgezeichnetes und wertvolles Speise- und Salatöl und wird wie Weizenkeimöl auch als diätetisches Nahrungsmittel verwendet. Dazu eignet es sicher zur Verwendung in Babynahrung und wird in der Nahrungsmittelindustrie zur Herstellung von Mayonaisen und Salatsaucen, sowie zur Herstellung von Margarine verwendet.

 

In der Industrie

Industriell wird es bei der Herstellung von Seifen und Lacken und für Öl- und Künstler- farben verwendet. Zudem kann es zur Lederverarbeitung und als Konservierungsmittel in der Tuchfabrikation angewendet werden. Warmgepresstes Öl kann ausschliesslich für industrielle Zwecke verwendet werden. Wegen seiner Oxidationsempfindlichkeit kommt Sonnenblumenöl in der Kosmetik zur wenig zur Anwendung.

 

In der Volksmedizin

In der Erfahrungsmedizin wird Sonnenblumenöl innerlich bei Verstopfung und zur äusseren Anwendung bei schlecht heilenden Wunden, Hautläsionen, Psoriasis und Rheuma verabreicht. Pharmakologische Studien oder klinische Tests zur Wirksamkeit des Öls bei den genannten Anwendungsgebieten liegen jedoch nicht vor.

 

Quelle: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle, Springer Verlag            

 

31.1.2012

© Victorya Tropic Oil GmbH 2012