Erdnussöl

 

Erdnussöl

 

1. Stammpflanze

Die Erdnuss (Arachis hypogaea), auch Aschanti, Arachis- oder Kamerunnuss genannt, ist eine Pflanzenartin der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae).

Die Erdnuss wächst als einjährige krautige Pflanze. Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Das Fruchtblatt besitzt meist zwei bis vier, selten bis sechs Samenanlagen. Die Gynophor oder Karpophor genannte Basis des Fruchtblattes verlängert sich auf eine Länge bis 20 cm und krümmt sich nach der Befruchtung – so gelangt die Frucht unter die Erde.


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2. Vorkommen

Ursprünglich in den Anden Südamerikas (Boliivien wird als Ursprung vermutet) behei-matet, hat sich der Anbau der Erdnuss seit ihrer wachsenden Bedeutung als Ölfrucht über die ganzen Tropen und Subtropen ausgebreitet.  

Die grösste Produktion erfolgt in Indien und China, wo sie bereits in vorchristlicher Zeit als Kulturpflanze gehzogen wurde. Afrikanische Staaten wie Nigeria und Senegal liefern heute etwa 20 Prozent der Weltproduktion, gefolgt von den USA mit 9 %. Weltweit werden jährlich etwa 33 Millionen Tonnen Erdnüsse geernetet.

Archäologen datieren die ältesten Funde domestizierter Erdnüsse aus Peru auf ein Alter von 7600 Jahren. Von dort verbreitete sich der Erdnussanbau auf weitere Teile Süd- und Mittelamerika.


3. Beschreibung

Arachis hypogaea ist eine einjährige, bis 60 cm hohe, am Grund verzweigte, nieder liegende, dicht belaubte Pflanze. Die Blätter sind eiförmig und paarig gefiedert. Die Blüten sind goldgelb, 1 – 2 cm lang und in kurz gestielten Blütenständen in den Blattachseln stehend. Nach der Befruchtung entwickelt sich an der Basis des Fruchtknotens ein nagel-förmiger Fruchttäger, der sich neigt und in den Erdboden eindringt. Erst wenn die Spitze des Fruchtträgers eine Tiefe von 5 bis 10 cm erreicht hat, entwickelt sich die Frucht. Über dem Erdboden entwickeln sich keine Früchte. Die Frucht hat eine gelbe, runzelige Hülse, in der sich meist zwei Samen befinden, die von einer dünnen, rotbraunen Schale umgeben sind. Alle Erdnussvarietäten lassen sich in zwei Gruppen einteilen: mit aufrechten Stängeln und mit kriechenden Stängeln.  Bei kriechenden Sorten erreichen alle befruchteten Fruchtknoten den Boden, was bei aufrechten Sorten nicht immer gewähr-leistet ist.

 

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4. Anbau

Die Erdnusspflanze gedeiht am besten auf lehmigen Sand – oder sandigen Lehmböden, welche gut Wasser speichern und eine neutrale bis leicht alkalische Reaktion zeigen. Sie ist Wärme liebend, muss aber in trockenen Gegenden bewässer werden. Sie veträgt keine lang andauernde Nässe und stirbt bei anhaltender Näss ab. Krustenbildende Böden sind für den Anbau ungeeignet, da der Fruchtträger nicht in den Boden eindringen kann. Bei aufrechten Sorten sollte zudem noch der Boden aufgelockert und um die  Pflanze ange-häufelt werden, um eine optimale Fruchtbildung zu erzielen. Die Erdnusspflanze verträgt keinerlei Frost.

 

5. Gewinnung

Zum Ernten wird die Pfahlwurzel durchschnitten, die Sprosse aus der Erde gehoben und die Frucht 2 bis 4 Wochen getrocknet. Die Samen enthalten ca. 45 % Öl. Zur Gewinnung des Öls werden die Samen zuerst mit Hilfe von Riffelwalzen oder Scheibenmühlen von ihren Hülsen befreit. Anschliessend werden die Samenkerne über Siebe gereinigt, auf Walzenstühlen zerkleinert  und in Schneckenpressen vorgepresst. Den Restgehalt an Öl gewinnt, mann durch Extraktion mit Hexan. Die Erdnüsse können vor der Pressung auch gefriergetrocknet werden. Kaltgepresstes und extrahiertes Öl lässt sicht leicht mit Lauge entsäuren, mit Aktivkohle bleichen und desodorieren. Spuren von Aflotoxinen, die ins Öl gelangen, werden während des Neutralisationsprozesses durch die Laugenbehandlung inaktiviert. Aus 100 kg Erdnüssen, die ca. 30 kg Schalen und 70 kg Samen enthalten, können etwa 34 kg Öl erhalten werden. Zudem kann Erdnussöl durch partielle Hydrierung zu gehärtetem Öl weiterverarbeitet werden., welches dann als Salbengrundlage verwendet wird.

 

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6. Charakter

Farbe: Erdnussöl ist eine klare, gelblich viskose Flüssigkeit. Afrikanisches Erdnussöl ist     farblos und leicht gelbstichig.

Geruch: Erdnussöl hat eine leichte bis deutliche Erdnussquote, leicht fruchtig, röstig (falls vor der Pressung geröstet). Gehärtetes Erdnussöl ist fast geruchlos.

                                  

Fettsäurezusammensetzung:                         in %                                       

                                  

Palmitinsäure                                                     8 - 13                        

Palmitoleinsäure                                          0.1 – 0.3                              

Stearinsäure                                                        1 - 4                          

Ölsäure                                                            35 - 66                                 

Linolsäure                                                       14 - 41                                 

Linolensäure                                                         0.3                            

Arachinsäure                                                      1 - 2   

Eicosansäure                                                    1 – 2

Behensäure                                                       2 – 5

Lignocerinsäure                                                1 - 2              

 

Physikalische Kennzahlen Erdnussöl

Brechungsindex: n20/D                     1.40 – 1.465

Dichte: d 15/15                                  0.912 – 0.918

Verseifungszahl:                                      187 - 196

Iodzahl:                                                         83 - 107

Unverseibares:                                                        1 %

Schmelzpunkt:                                                      - 2° C

 

Afrikanisches Erdnussöl

Brechungsindex: n20/D                   1.470 – 1.472

Dichte: d 15/15                                  0.914 – 0.917

Verseifungszahl:                                      189 - 196

Iodzahl:                                                           85 - 90

  

7. Verwendung

In der Pharmazie und Medizin

Auf Grund seines Gehaltes an ungesättigten Fettsäuren in den Trialglyceriden gehört Erdnussöl in jene Gruppe von Ölen, die den Blutcholesterinspiegel des Menschen senken können. Ausserdem Verwendung als Klistier zur Erweichung von hartem Kot im Enddarm.

 

Pharmazeutik

Hier wird es als Trägerstoff für fettlösliche Wirkstoffe zum äusserlichen, enteralen oder parenteralen Gebrauch verwendet, besonders für Sexualhormone mit Depotwirkung und als Öl für Augentropfen.

 

Dermatologie

Angewendet wird das Erdnussöl gegen Krusten  und Schuppenbildung im Bereich des behaarten Kopfes. Erdnussöl kann dazu noch für die Säuglingspflege sowie als Bade-zusatz, zur Behandlung von subakuten und chronischen Ekzemen, bei atropischen Ekzemen und Ichthyosis verwendet werden.

 

Arzneimittelherstellung

Wegen des hohen Wasseraufnahmevermögens wird es als Salbengrundlage verwendet.

Da es trotz partieller Hydrierung stark zum Ranzig werden neigt wegen der Doppelbindun-

gen wird es dazu immer seltener verwendet. In alten Rezepten wie bei Kampfersalbe ist es aber noch Bestandteil in der Rezeptur.

 

In der Kosmetik

Als Massageöl und als Hautschutz.

 

In der Lebensmittelindustrie

Das Erdnussöl eignet sich sehr gut zum Braten und Frittieren, da es bis auf 230 ° C erhitzbar ist. Für Salate ist es jedoch nur bedingt geeignet.

 

Quelle: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle, Springer Verlag  


 31.1.2012

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