Arganöl

Argannöl


1. Stammpflanze

   Argania spinosa (L.) Skeels (Sapotaceae), Arganbaum, Ardjanbaum, Eisenhozlbaum

2. Vorkommen

Der Arganbaum ist ein langsam wachsender, stacheliger Strauch oder Baum, der in Süd-

West-Marokko zwischen Essaouira und Agadir.heimisch ist und dort wild auf einer Fläche von ca. 740 000 ha wächst. 1999 wurde Marokkos Arganiengebiet von der UNESCO in ihre Liste der zu schützenden Biospären aufgenommen.

 

3. Beschreibung

Der Araganbaum wird 7 bis 10 Meter hoch, kann einen Umfang von bis zu 15 Metern und ein Alter von 125 bis 150 Jahren erreichen. Sein Stamm ist of knorrig und verkrümmt. Ab

einem Alter von 5 Jahren beginnt der Baum Früchte zu tragen. Die Früchte sind rund bis oval, haben ein grünes, fleischiges Aussehen ähnlich einer Olive, sind aber grösser und enthalten eine Nuss mit einer sehr harten Schale. Reif haben sei eine leuchtend gelbe Farbe.

Jede Frucht enthält 1 bis 3 ovale, glatte, braune Samen, die ca. 2 cm lang sind. Sie ent- halten bis zu 50 % eines hellbraunen Öls. Innerhalb der Samentesta befindet sich ein weisser, ölreicher Kern.

 

4. Anbau

Seit Jahrzehnten wird der Arganbaum in Südwestmarokko wirtschaftlich genutzt, da er bei trockenen Verhältnissen überleben kann. Er schützt den Boden gegen Erosion durch Wind oder starken Regenfall und verhindert so auch die Ausbreitung der Wüste. In den letzten Jahren jedoch ging der Bestand kontinuirlich zurück, was auf einer stärkeren Nutzung der Bäume zur Gewinnung von Holz oder als Futtermittel zurückzuführen ist, da keine Plantagen bestehen, sondern nur ein Bestand an wildwachsenden Bäumen vorliegt. Neben dem Hauptvorkommen des Baums in Marokko wird er ausserdem noch in zwei verschiednen Regionen der Negevwüste in Israel angebuat.

 

5. Ölgewinnung

Zur Ölgewinnung verwendet man nur die heruntergefallenen Früchte, die von Juni bis September aufgelesen werden. Die Ernte würde sich ansonsten schwierig gestalten, da man den Baum nicht schütteln kann – das Holz ist zu spröde – und Dornen eine Hand-lese verhindern. Je nach verwendeter Extraktionsmethode enthalten die Kerne 30 bis 55 Prozent fettes Öl.

Hangepresstes Arganöl

Bei der traditionellen Gewinnungsmethode wird das Öl manuell extrahiert. Hierbei wird das reife Fruchtfleisch und die Schale entfernt, die Nüsse mit Steinen zerbrochen, die Kerne in Lehmtöpfen luftgetrocknet und bei geringer Hitze leicht geröstet. Die gerösteten Kerne werden abgekühlt und zu einem braunen Teig zerrieben. Dieser wird von Hand einige Minuten mit Wasser gemischt. Um das Öl zu extrahieren wird der Teig geknetet bis er fest wird und die erhaltene braune Emulsion wird dekantiert. Nach einigen Minuten entsteht ein klares Öl mkt Haselnussflavour. Der übrig bleibende, dunkelbraune bis schwarze Press-kuchen enthält immer noch 10 % Öl und wird als Viehfutter verwendet. Diese Methode ist sehr langsam, in bis zu 10 Stunden wird nur ein Liter Öl gewonnen. Auch werden mit dieser Methode nicht mehr als 30 % des Öls extrahiert, welches durch das Hinzufügen des Wassers nicht sehr haltbar ist.

 

Gewinnung mit mechanischen Pressen

Mit dieser Methode können die Kerne direkt gepresst werden und das Mischen mit Wasser entfällt. Die Gewinnung der Kerne bleibt jedoch gleich. Auf diese Weise werden bis zu 45 % Öl extrahiert, und in nur einer halben Stunde wird 1 Liter Öl produziert.  Auf diese Weise extrahiertes Öl enthält weniger Säure als traditionnell gewonnenes Öl.

 

Extraktion mit Lösungsmitteln

Für industrielle Zwecke oder für den Laborbedarf kann das Öl mit jedem flüchtigen, lipophilen Lösungsmittel extrahiert werden. Nach dem Verflüchtigen des Lösungsmittels erhält man so 50 bis 55 % des Öls. Dieses Öl besitzt jedoch ungünstige organoleptische Eigenschaften und wird nur zur Gewinnung von Öl für kosmetische Zwecke genutzt. Ebenso in der Kosmetik wird sogenanntes „enriched argan oil“ verwendet. Dieses wird durch eine Kurzdestillation des durch Lösungsmittelextraktion gewonnen Öles mit ver-mindertem Druck und bei einer Temperatur von 270 Grad erzeugt. Dieses Öl enthält dremal sovel nichtverseifbare Anteile wie das durch Pressen erzeugte Öl.

 

6. Charakter

 

Farbe: gelbes bis hell orangefarbenes, bei Raumtemperatur flüssiges Öl

Geruch: scharf, süss, unangenehm, ähnlich Olivenöl

Flavour: nach Haselnuss. Geröstetes Arganöl hat nussartigen Geschmack.


Inhaltsstoffe

99 Prozent des Öls bestehen aus Glyceriden, davon sind 95 % Triglyceride. Den grössten Teil des Öls machen ungesättigte Fettsäuren, hauptsächlich Ölsäure und Linolsäure aus.

                                  

Fettsäurezusammensetzung:

                                                                            in %                                       

 

Myristinsäure                                               0.1 - 02                                

Palmitinsäure                                                12 -14                             

Palmitoleinsäure                                       0.1 – 0.2                                 

Stearinsäure                                                      3 - 6                      

Ölsäure                                                           42 - 47                                

Linolsäure                                                       31 - 35                                

Linolensäure                                               0.1 – 3.5                                

Arachinsäure                                                        0.4

Timnodonsäure                                                    0.2        

Eicosansäure                                                       0.5

Behensäure                                                          0.1

Lignocerinsäure                                         0.2 – 0.4                     

 

Physikalische Kennzahlen

 

Brechungsindex: n25/D                              1.4768

Dichte: d 15/15                                                    0.9

Verseifungszahl:                                               195

Iodzahl:                                                                 98

Unverseibares:                                                   1.0%

 

 

 

7. Verwendung


In der Pharmazie und Medizin

Eine Studie an 96 Probanden zeigte, dass bei einer durchschnittlichen Einnahme von 15 g nativem, kalt gepresstem Arganöl pro Tag der Plasma-LDL-Cholesterinspiegel signifikant niedriger war als bei Probanden die kein Arganöl zu sich nahmen, zusätzlich war der Vitamin-E-Plasmaspiegel höher und der Lipoperoxidspiegel niedriger, was auf eine anti-oxidative Aktivität des Öls schliessenlässt. Zudem konnte ein antioxidativer Effekt auf die LDL-Oxidation in vitro gezeigt werden. Aus diesen Ergebnissen lässt sich schliessen, dass Arganöl den Lipidstoffwechsel positiv beeinflusst und so Einfluss auf das Risiko von Herz-gefässkrankheiten nimmt.

 

Als Antioxidans

Das im Arganöl vorherrschende Tocopherol ist das y-Tocopherol mit 465-504 mg/kg Öl. Das y-Tocopherol hemmt die Cyclooxigenaseaktivität und erhöht als Nahrungsergänzung die Konzentration im Plasma und Gewebe, was wahrscheinlich die Ursache für den

Schutz gegenüber durch reaktive Sauerstoffspezies verursachte Entzündungen ist. Zudem enthält das Öl einen relativ hohen Gehalt an Squalen (313 mg/100 g Öl), welches gegen Hautkrebs schützen soll. Die in pflanzlichen Ölen, seltenen, in Arganöl aber hauptsächlich vorkommenden Sterole sind Spinasterol (40 %) und Schottenol (48 %). Im Tierversuch zeigte Spinasterol eine Reduktion des Palsma- und Lebercholesterinspiegels in Mäusen, sowie einen Antitumorpotential. Schottenol zeigte hingeen anticarcinogenes Potential.

 

Anithypertensive Wirkung

Arganöl enthält einen hohen Gehalt an ein einfach ungesättigten und mehrfachgesättigten Fettensäuren (MUFA und PUFA) und einen geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Das Arganöl besitzt auch einen hohen Anteil am Anitioxidans a-Tocopherol, welches in einem experimentellen Bluthochdruckmodel den Blutdruck reduzierte. In einer Studie wurden SHR (spontan hypertensiven Ratten) und WKY (Wistar-Kyoto-Ratten mit normalem Blut-druck)Z über sieben Wochen mit Arganöl behandelt und die Auswirkungen auf den Blut-druck und die endoteliale Dysfunktion untersucht. Die tägliche Verabreichung des Öls re-sultierte in einem anhaltenden Rückgang des durchschnittlichen Blutdrucks in SHR, signifikant ab der 5. Woche der Behandlung, hatte aber keinen Einfluss auf WKY. Trotz des sinkenden Blutdrucks war die Herzfrequenz nicht beeinflusst, ebensowenig änderte sich das Körpergewicht. Die endotheliale Funktion wurde durch den Grad der durch Carbachol induzierten Entspannung an durch Phenylephrin vorverengten Arterien gemessen. Nach sieben Wochen war die endtheliumabhängige Relaxation der Aorten-ringe von mit Arganöl behandelten SHR signifikant erhöht, im Vergleich zur Kontroll-gruppe. Daraus kann geschlossen werden, dass Arganöl auf Grund des hohen Linol-säuregehaltes eine Rolle bei der Regulation des Blutdruckes spielt, sowie der hohe Anteil an a-Tocopherol einen Einfluss auf den antihypertensiven Effekt hat.

 

In  der Kosmetik

Arganöl induziert eine erhöhte antioxidative Aktivität in der Zelle. Diese Wirkung wird dem Vitamin E-Gehalt des Öles zugeschriebrn. Die  Anwendung des Öls auf der Haut hat zur Folge, dass die Wasser-Lipid-Schicht der Haut wiederaufgebaut wird., ein Anstieg an Nährstoffen in den Hautzellen erfolgt., die intrazelluläre Oxidation stimuliert wird, freie Radikale neutralisiert werden und somit das Bindehautgewebe geschützt wird. Aus diesen Gründen wird Arganöl vermehrt in der Kosmetikindustrie in Hautschutzmitteln verarbeitet. Arganöl beugt der Austrockung der Haut vor und fördert so die Straffung, Glättung und Ge-schmeidigkeit. Die gut hautschützenden, weichmachenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften wirken sich positiv bei jugendlicher Akne, Hautallergien, geschädigter und älterer Haut aus.

 

In der Küche

Des weiteren ist Arganöl eine wichtige Quelle als Speiseöl und wird in Marokko zum Kochen verwendet, in Europa gilt Arganöl als Gourmet-Speiseöl für die anspruchsvolle Gastronomie, es steht auf einer Stufe mit Kaviar und Trüffel.

Um die Eignung von Arganöl als Frittierfett zu untersuchen, werden 2 Liter Öl über 24 Stunden auf bis zu 180 Grad Celsius erhitzt. Um einen kontrollierten Frittiervorgang zu simulieren, wurden alle vier Stunden 2 ml Wasser dazugefügt. Es zeigte sich, dass Arganöl ähnliche oder bessere Qualitätseingeschaften als Baumwollsamenöl oder Olivenöl hat. Untersucht wurde dabei die Fettsäurezusammensetzung, die Peroxidzahl, die Säurezahl, die Induktionsperiode, der Farbindex, die Viskoseität, der Gehalt an kon-jugierten Doppelbindungen und der Kontaktwinkel zwischen Öl und einem Kartoffelmuster in Abhängigkeit von der Temperatur.

 

Quelle: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle, Springer Verlag            

31.1.2012

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